Apostroph, du Narr!

Überall mischst du dich ein. Überall gaukelst du den Menschen vor, dass hier und da und dort dein Platz sei. Sandro’s Friseurladen tut, als ob dich Sandro wirklich zum Glücklichsein braucht, obwohl er mit dem Genitiv viel besser dran wäre. Sandros Friseurladen ist doch ohne dich viel schöner! Oder PC’s statt schlicht PCs …

Igitt! Von dir, diesem winzigen Strichlein am falschen Ort, kriege ich Gänsehaut. Ohne dich wäre das Leben viel schöner, du närrische Kritzelei. Invasiv machst du dich breit.

Mach’s gut!, schreibt P. und winkt mir per Mail zum Abschied zu. Recht hat er. Denn hier bist du, du komischer kleiner Strich, sogar richtig platziert. Mach es gut kürzest du hier ab. Und das sogar korrekt, denn du bist nichts mehr als ein Platzhalter. Überschätze dich bloß nicht!

Allerdings, ich gebe es zu, ich verstehe dich. So klein wie du bist, möchtest du dich eben ein bisschen ins Zentrum rücken. Doch so richtig gut ist deine Strategie nicht. Du verführst zu Oppulenz, zu Fehlern, zu falschen Schlüssen. Am hässlichsten finde ich dich in Abkürzungen. Bei den RAV’s zum Beispiel, den Regionalen ArbeitsVermittlungen, lügst du doppelt, denn bei ihnen ziehst du sogar noch ein kleines S in deinen Bann. Autsch! RAV reicht, ohne dich und ohne S.

Vielleicht müsste ich dir, damit du ein bisschen sichtbarer wirst, aber nicht auf dumme Gedanken kommst, einen roten Zettel umhängen?
Vorsicht! Vor übermäßigem Gebrauch dieses Strichleins wird gewarnt. Dieses kleine Ding vermehrt sich rasant und mischt sich überall ein. Subversiver Verführer zur Erhöhung der Fehlerquote.

Denn, unter uns gesagt: wir können ganz gut auch ohne dich schöne Fehler machen …

© by Denise Maurer